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«Raining Satellites»
A Tasteful Journey through the History of Pop


Wilde are a pop-rock band which does not really set them apart from hundreds of other artists. What sets them apart, however, is their excellent songwriting and elegant arrangements. On their third album they make a move towards psychedelia and prog.

The opener «The Moment That We Met» is not simply an opener but rather a gravitating ouverture with stacks of mellotrons, space-rock guitars, trumpets, choirs and a psychedelic noise ending. Quite daring! This is seamlessly followed by the title track of the album. Jangly guitars, Strawberry Fields flutes and a catchy chorus will appeal to all fans of British songwriting from the Beatles to the Temples.

Despite all the prog bits and psychedelic textures, Raining Satellites is rooted in its strong melodies. Still, this is a band that rocks with imaginative and also heavy guitar work. And there is variety. «Dry Land» is a folk rock gem and in «Lost & Found» sounds like a lost late period Beatles or Beach Boys song. Even a young Bowie seems to wave from afar.

Wilde don’t follow any trend with Raining Satellites. These are musicians who know what they want, and they want it with style.


«Raining Satellites»
Mit Geschmack durch die Popgeschichte

Reto Aschwanden / 27.05.14

WILDE steht für Gitarrenpop britischer Prägung. Auf dem dritten Album Raining Satellites kommt nun eine psychedelische Note ins Spiel der Basler Gentlemen-Band.
So einen Einstieg muss man sich erst mal getrauen: «The Moment That We Met» ist nicht einfach ein Opener, sondern eine gravitätische Ouvertüre, die weit Richtung ProgRock ausschlägt. Die Gitarre legt leitmotivisch los und als der Gesang anhebt, dauert es ganze drei Zeilen, bis die grossen Versprechen formuliert werden: «I’ll shelter you, i’ll dry your tears, i’ll be there for you.» Im Refrain segeln raumgreifende Streicher ein, und so geht das dann acht Minuten lang, in denen auch Chorpassagen und singende Gitarrensoli Platz finden sowie ein kleines Space-Rock-Orchester fürs Schlussraunen. Hui.
Dann folgt das Titelstück, und wem dieser jangelnde Ohrwurm nicht nachläuft, der schlägt wahrscheinlich auch einen Bogen um Ray Davies (The Kinks) und Paul Weller (The Jam). Ist ja bloss grosse britische Songschmiedekunst.

Bewahrer der Basler Britpop-Tradition

Bandleader Matthias Wilde ist natürlich ein Kenner der Materie. Als ehemaliger DRS3-Redaktor und Konzertveranstalter in der Kaserne Basel kennt er sich in der Popgeschichte aus. Und wie ein anständiger Song in der Praxis funktioniert, hat er spätestens als Sänger der Coverbands Hi-Tones und Goldfinger erfahren. Ihm zur Seite stehen Gitarrist Andreas Hidber (aktuell auch bei Tay/Son aktiv), Drummer Martin Bammerlin und am Bass Remo Leupin, der schon bei den Arhoolies die vier Saiten bediente.
2006 brachte WILDE mit A Drug For Every Pain ein erstes Album unter eigenem Namen raus, vor zwei Jahren folgte Stand And Stare. Beide Songsammlungen klangen nach klassischem Pop britischer Prägung: grosse, potentiell Massen bewegende Melodien in raffinierten, mit Sinn fürs Detail ausgearbeiteten Arrangements. Das passt zur einer zentralen Figur der Basler Musikszene, denn hier haben britisch geprägte Klänge eine lange Tradition.
Auch Raining Satellites dreht sich ungeachtet von Prog und Psychedelik um Melodien, nicht nur im Gesang, der in Refrains aussergewöhnlich stimmig im Chor vorgetragen wird, sondern auch bei der Gitarrenarbeit. Die klingt auch mal schön schroff, denn hinter der Wohlklangwand drückt eine Rockband, deren Drummer auch mal ein bisschen weiter ausholen darf.
Zwischendurch besucht man auch mal Onkel Folk Rock («Dry Land») und die Beatles in ihrer Spätphase («Lost & Found»), von ferne grüsst der junge Bowie. Neben einer Hammond findet verschiedentlich auch ein Mellotron Verwendung – ein Instrument, das in der Rockgeschichte nie die ihm gebührende Würdigung fand.
Raining Satellites ist eine altmodische Platte. Trotz gelegentlich prozessierten Beats gibt es kaum Anknüpfpunkte zu aktuellem Musikschaffen. Hier bewegen sich gestandene Männer kenntnisreich und geschmackssicher durch die Popgeschichte und produzieren dabei ein Album, das aus der Zeit gefallen scheint. Es ist wie mit der Garderobe: Ab einem gewissen Alter mag man nicht mehr jedes halbe Jahr die neusten Trends in den Schrank hängen, sondern setzt auf einen zeitlos kleidsamen Stil. So ähnlich ist das mit diesem Album: Die Songs sitzen, der Sound passt.

Reto Aschwanden Rockförderverein der Region Basel (RFV)






«Farewell and a big hello again»
Dänu Siegrist

Wenn der schillernde Popmaniac Wilde in Schale zur Taufe seiner neuen CD Stand And Stare auf die Bühne steigt, ist er hundert Prozent Musiker und Entertainer. Dann lässt er seine bewegte Geschichte als ehemaliger DRS3-Musikredaktor, Programmverantwortlicher der (damals so benannten) Musikkaserne Basel und heutiger Leiter der Online Plattform Fontastix im Dämmerlicht der Garderobe.

Souveräner Showman
Während zwei Stunden konnte am 9. Februar 2012 eine gut gefüllte Kuppel Basel die gelungene Live-Premiere von Stand And Stare miterleben. Wilde outete sich an diesem Abend als souveräner Showman, und in den Songs seines neusten Werks als grosser Liebhaber des klassischen und differenzierten Poparrangements.

Popmaniac seit 30 Jahren
Für Kennerinnen und Kenner des Multitaskers kein Wunder, erkundete der Musiker die Popmusik doch über Jahrzehnte als Insider aus verschiedensten Perspektiven. Von 1985 bis 2003 beschäftigte sich Wilde als Musikredaktor eingehend mit Plattenproduktionen der nationalen und internationalen Musikszene und leitete das Live-Gefäss «Uf der Gass» bei Radio DRS 3. Schliesslich engagierte er sich als Leiter der Musikkaserne Basel im Live-Bereich und übernahm danach die Geschäftsführung des Vertriebs und CD-Shops Fontastix, einer Onlineplattfrom für unabhängige Schweizer Musik.

Hitproduzent an den Mixknöpfen
Vorproduziert und experimentiert wurde das aktuell Album Stand And Stare über längere Zeiträume im hauseigenen Aufnahmeraum «Boiler Room». Für den Mix holte man sich dann die Untersützung eines wahren Cracks der britischen Musikszene, Hugh Padgham. Padgham produzierte in den 80er Jahren Songs wie «Every Breath You Take» von Police oder «In The Air Tonight» von Phil Collins. Er war genau der Richtige um den Überblick über die sensiblen und vielschichtigen Arrangements der neuen Songs zu behalten und die Fülle der musikalischen Ideen in die optimale Relation zu bringen. Die Aufnahmen offenbaren Wildes grosses Talent als Songwriter - wie auch das seiner Kollegen. Mit viel Akribie und Liebe zum Detail wurde an der Instrumentierung und an den Vocals gearbeitet. So etwa am beatleesken «Love Is The Answer (Sex Is The Cure)», dessen Backgroundvoacls an die grossen Zeiten der Fab Four erinnern. Oder an dem in 70er Manier produzierten «The Fire In Your Heart», das von klassischen Streichern, Discodrums, über fette Gitarrenriffs mit Van Halen Solo, bis hin zum Abba-Chorus, eine ganze Ära musikalisch zusammenfasst.

Grossartig dramatisches Farewell zum Schluss
Sei es die Flangergitarre, die röhrende Hammond-Orgel, die leicht krächzende Dobrogitarre oder gar die zartbesaitete Klassikgitarre, welche im südamerikanisch anmutenden «Something In Your Mind» einen Auftritt hat, die Klangfülle dient konsequent den originellen Kompositionen des Trios Wilde. Es provoziert Erinnerungen an die letzten 45 Jahre Popmusik, lehnt sich an bewährte Muster und ist doch so eigen, dass man unsicher ist ob die Songs wohl mehrheitstauglich sind. Denn gerade das wünscht man Stand And Stare am meisten. Nicht nur das grossartige und dramatische Farewell der CD «Even If It All Came True» soll dazu animieren auf die Repeat-Taste zu drücken, wieder und wieder.