Vom Hermelin zum Handtuch





In der Arbeit Vom Hermelin zum Handtuch werden inszenierte Portrait­fotografien gezeigt, die sich an klassischen Gemälden der Renaissance orientieren und diese teils explizit, teilweise auch nur vage nachbilden. Der Schwerpunkt liegt dabei sowohl in der fotografischen Inszenierung, als auch der Kostümgestaltung.

Verwendet werden hierbei private und zeitge­nössi­sche Kleidungsstücke der dargestellten Modelle. Die Wahl und das Arrangement der vorgefundenen Kleidung passiert spontan und ist prägend für die gesamte Ästhetik der Fotografien. Kleidungsstücke werden hierbei zumeist zweckentfremdet und erhalten auf diese Weise einen neuen transformierten Nutzen. Die Lebendig­keit und Intensität der ­Fotografien liegt dabei in der Improvisation. Mit Hilfe simpler Umformung zeitgenössischer Kleidung ­entstehen neue Bilder, die erst auf den zweiten oder dritten Blick für den Betrachter durchschaubar sind.

Die Anfertigung der Arbeit unterlag dabei dreierlei Restriktionen. Es wurde ausschließlich natürliches Licht sowie private und zeitgenössische Kleidung der Modelle verwendet – als Hintergrund diente immer schwarzer Stoff. ­Dabei werden die ausgewählten Kleidungsstücke zu­meist zweckentfremdet: Richtig drapiert wird eine durchsichtige Bluse so zur Haube oder ein roter Nickipullover zum Wams.
Je bekannter das historische Vorbild, desto mehr Freiraum bleibt in der Gestaltung der Fotos und so kleiner und subtiler können die visuellen Verweise sein. Trotz der Transformation und teilweisen Vereinfachung der Gemälde, bleiben die Grundelemente, Formen oder Farben des Vorbildes erkennbar. Fotografien, die sich an weniger bekannten Gemälden orientieren oder vielleicht sogar Mischformen ­mehrerer Bilder darstellen, bieten dahingegen mehr Frei­raum in der Inszenierung und eigenständigen Interpretation. Durch Transformation und Entfremdung entstehen so völlig neue Bilder. Dennoch meint der Betrachter ein bekanntes Gemälde zu kennen oder sich an ein genaues Vorbild zu erinnern, solange die eigentümliche Stimmung, Würde und Gravität des frühen Gemäldeportraits erhalten geblieben ist. Welches Kunstwerk tatsächlich als Vorbild fungiert, spielt dabei eine nebensächliche Rolle.

Durch das natürliche, weiche Licht mit einkeh­rendem Licht- und Schattenspiel und dem gleich­­zeitigen starken Kontrast zwischen dunklem Hintergrund und Modell, wird eine starke Ver­bindung zur Renaissancemalerei hergestellt. Die unangespannte Mimik der Modelle vermit­telt Ruhe. Es wird mit Fotografie »gemalt«. Wobei die entstandenen Portraits im Vergleich zum historischen Vorbild in ihrer Natürlichkeit ehrlich sind.

Bereits in der Renaissance wurden technische Hilfsmittel wie beispielsweise die »camera lucida« benutzt, um mit Malereitechniken ein so realis­tisch wie möglich aussehendes Bild zu schaffen; die Figur sollte schon hier so lebendig wie möglich erscheinen.
Auch in der Arbeit Vom Hermelin zum Handtuch wird moderne Technik verwendet, um ein alt anmutendes Portrait zu schaffen. Hierbei ist es nicht das Ziel eine Illusion von Malereitechniken zu erschaffen, sondern vielmehr durch die Faktoren Licht, Hintergrund und Kleidung die Anmutung und Gravität nachgestellter Gemälde zu erzählen. Dabei ist es gelungen, dass die abgebildeten Modelle ihre individuelle Aura beibehalten, ausstrahlen und dennoch durch einfachste Mittel der Schein eines Gemäl­des erweckt wird. Die Selektion und Inszenierung der vorgefundenen Kleidung spielt hierbei die zentrale Rolle.


Exhibition
Vom Hermelin zum Handtuch
Bar Karussell, Fruchtallee 114, Hamburg facebook.com/events